Effektives CBAM-Kostenmanagement (Teil 1): CBAM-Zertifikatsbedarf und explizite Kosten

Im ersten Teil dieser Serie zum effektiven CBAM-Kostenmanagement leiten wir anhand einer konkreten Fallstudie den CBAM-Zertifikatsbedarf als auch die dadurch entstehenden expliziten Kosten her. Für Importeure von CBAM-Waren können schon für Importe im Jahr 2026 hohe Kosten auftreten und die Vorbereitung darauf sollte frühzeitig stattfinden.

Finanzielle Auswirkungen von CBAM abschätzen

Während für verpflichtete Importeure oder indirekte Zollvertreter im Jahr 2025 noch reine Berichtspflichten gelten, so wird CBAM ab 2026 in die Regelphase übergehen (siehe unseren Beitrag zu CBAM hier). Dies bedeutet vor allem, dass die offiziellen CBAM-Anmelder neben der weiterhin notwendigen Meldung von importierten Gütern und entsprechenden Emissionen, ab dem 1. Januar 2026 CBAM-Zertifikate für die in den Importen enthaltenen grauen Emissionen erwerben und diese jährlich bis zum 31.08 des Folgejahres einreichen müssen. Aus Sicht eines Importeurs oder indirekten Zollvertreters hat dies strategische Relevanz und die Auswirkungen auf Risiko- und Liquiditätsmanagement dieser zusätzlichen finanziellen Belastung sollte daher schon im Jahr 2025 analysiert werden, um:

  • Budget für die Beschaffung von CBAM-Zertifikaten einzuplanen
  • Eine Einkaufsstrategie für den Erwerb von CBAM-Zertifikaten zu entwickeln
  • Preisunsicherheiten von CBAM-Zertifikaten und damit Kosten für eingeführte Waren managen oder absichern zu können
  • Lieferanten- und Kundenverträge anzupassen, um nicht auf den Kosten CBAM-Kosten sitzenzubleiben
  • Die Auswirkungen von CBAM in strategische Einkaufsentscheidungen integrieren zu können

Im Folgenden werden die Schritte für die Entwicklung einer zielgerichteten Strategie zum CBAM-Kostenmanagement anhand eines Fallbeispiels dargestellt. Der Startpunkt ist die Ermittlung der relevanten CBAM-Emissionen, da diese die Menge der zu erwerbenden CBAM-Zertifikate bestimmt. Folgende Formel zeigt dabei die wichtigsten Parameter auf. Zur Vereinfachung ist die Annahme hier, dass keine CO2-Preise in der vorgelagerten Lieferkette gezahlt wurden.

Berechnung des Bedarfs an CBAM-Zertifikaten und relevante Datenquellen

Abbildung 1: Berechnung des Bedarfs an CBAM-Zertifikaten und relevante Datenquellen (ohne Berücksichtigung von CO2-Preisen in der vorgelagerten Lieferkette)

Für die Berechnung der Menge an zu erwerbenden CBAM-Zertifikaten sind neben den Informationen der importierten Produkte und der darin enthaltenen grauen Emissionen, besonders die CBAM-Benchmarks relevant. Die CBAM-Benchmarks werden voraussichtlich i im Q4 2025 veröffentlicht. Die CBAM-Benchmarks werden angelehnt sein an die Benchmarks zur Ermittlung der freien Zuteilungen im EU Emissionshandelssystem (EU ETS). Die CBAM-Benchmarks werden also erst relativ kurzfristig vor dem Zeitpunkt des Erwerbs von CBAM-Zertifikaten offiziell bekanntgegeben. Über eine Szenarioanalyse kann jedoch schon heute eine Abschätzung des CBAM-Zertifikatsbedarf unter Zuhilfenahme der entsprechenden EU-ETS Benchmarks erfolgen.

Analyse des CBAM-Zertifikatsbedarfs

Zur Verdeutlichung der Herangehensweise wird in folgender Fallstudie einem jährlichen Importvolumen von 100.000 Tonnen Stahlbarren zu gleichen Teilen jedes Quartal herangezogen. Weitere wichtige Annahmen für die Modellierung des CBAM-Zertifikatsbedarfs sind:

  • Keine abziehbaren CO2-Preise in der vorgelagerten Lieferkette
  • Direkte spezifische Emissionen: 2,58 tCO2/tProdukt
  • Indirekte spezifische Emissionen: 0,43 tCO2/tProdukt
  • Nutzung einer Kombination von EU ETS-Benchmarks als Proxy für den CBAM-Benchmark
  • Einbeziehung von indirekten Emissionen ab 2030 (angelegt in der CBAM-Verordnung, noch nicht endgültig festgelegt)

Die Menge der jährlich zu erwerbenden CBAM-Zertifikate für den CBAM-Anmelder in der Fallstudie ist nachfolgend dargestellt. Der Importeur muss für Importe im Jahr 2026 über 130.000 CBAM-Zertifikate erwerben, was einer Bepreisung von etwa 50 % der importierten direkten spezifischen Emissionen entspricht. Schon zum Start der CBAM-Regelphase kann also ein erheblicher Anteil der importierten Emissionen bepreist werden. Dies hängt insbesondere ab von der Höhe der grauen Emissionen in den importieren CBAM-Waren und damit von der CO2-Intensität des Produktionsverfahrens und des entsprechenden Herstellers. Eine Betrachtung pro Importvorgang, CBAM-Ware und Lieferant kann dabei Aufschluss über wichtige Metriken wie absoluten und relativen Beitrag zum Bedarf nach CBAM-Zertifikaten geben.

Abschätzung des CBAM-Zertifikatsbedarfs für 2026-2034 bei Import von 100.000 Tonnen Stahlbarren pro Jahr

Abbildung 2: Abschätzung des CBAM-Zertifikatsbedarfs für 2026-2034 bei Import von 100.000 Tonnen Stahlbarren pro Jahr (Quelle: carboneer CBAMCC Modell)

Wichtig dabei: Die Menge von CBAM-Zertifikaten, die von CBAM-Anmeldern für eingeführte Waren gehalten werden muss, liegt am Ende jedes Quartals bei 50 % der importieren Emissionen seit Beginn des Jahres (finale Entscheidung dazu noch ausstehend). Ein Ausnahme hiervon gibt es für 2026, da CBAM-Zertifikate erst ab 2027 erworben werden können. Die tatsächliche Menge an einzureichenden CBAM-Zertifikaten basiert jedoch letztlich auf den verifizierten grauen Emissionen der importierten Waren oder den noch zu veröffentlichenden Standardwerten der EU Kommission. Diese Differenz zwischen verifizierten Emissionswerten und Standardwerten kann in einigen Fällen erheblich sein. Eine genaue Analyse der relevanten Importe und damit verbundenen grauen Emissionen ist für eine Abschätzung des Bedarfs an CBAM-Zertifikate ab 2026 unumgänglich.

Kostenschätzung und Liquiditätsbedarf für CBAM-Zertifikate

Die jährlichen Kosten für CBAM-Zertifikate bei gleichbleibendem Import können nun abgeschätzt werden. Dazu können Prognosen und Szenarien für Preise von Emissionsberechtigungen (EUA) im EU ETS herangezogen werden, da CBAM-Zertifikatspreise für Importe ab 2027 rollierend durch das wöchentliche Mittel der EUA-Auktionspreise gebildet werden (derzeit bei etwa 70 EUR/tCO2). Im carboneer CBAMCC Modell werden hierzu die Preisprojektionen verschiedener Veröffentlichungen verwendet. Die prognostizierten Kosten für die CBAM-Zertifikate für jährlich gleichbleibende Importe sind nachfolgend dargestellt, der Unsicherheitsfaktor aufgrund ungewisser Preisentwicklung im EU ETS wird durch die Balken verdeutlicht.

Prognose der CBAM-Zertifikatskosten für 2026-2034 bei Import von 100.000 Tonnen Stahlbarren pro Jahr

Abbildung 3: Prognose der CBAM-Zertifikatskosten für 2026-2034 bei Import von 100.000 Tonnen Stahlbarren pro Jahr (Quelle: carboneer CBAMCC Modell)

Der Liquiditätsbedarf für CBAM-Zertifikate für den Importeur oder CBAM-Anmelder in der Fallstudie steigt von etwa 10 Millionen EUR im Jahr 2026 auf 25-45 Millionen EUR im Jahr 2030 an. CBAM-Zertifikate sind weder zwischen Unternehmen handelbar noch langfristig gültig. Maximal die aufgrund der Haltepflicht von 50 %  im vorherigen Jahr erworbenen CBAM-Zertifikate können wieder an die Regulierungsbehörde zurückverkauft werden. Überschüssige CBAM-Zertifikate werden am 1. Oktober des zweiten Jahres nach Kauf ohne Kompensation gelöscht (finale Entscheidung dazu noch ausstehend). Verpflichtete Unternehmen sollten sich daher umfassend auf die finanziellen Auswirkungen von CBAM vorbereiten.

In unserem nächsten Beitrag werden wir detailliert auf Möglichkeiten eingehen, die Importeuren zum Risikomanagement und Absicherung ihrer CBAM-Zertifikatskosten zur Verfügung stehen.